Adam Pendleton-Can I Be? Langen Foundation-04//26

Die Ausstellungen der Langen Foundation verfolge ich schon lange mit einem sehr liebevollen Blick. Ich liebe dieses Gebäude von Tadao Ando, dem japanischen Architekten, der auch für die Intervention in der Bourse de Commerce / Pinault Collection in Paris verantwortlich ist. Dieses Gebäude in Neuss gehört für mich zu den Orten, an denen Architektur nicht nur Rahmen ist, sondern bereits selbst Wahrnehmung erzeugt.

Die Langen Foundation liegt fernab der Stadt, auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss, eingebettet in eine stille niederrheinische Landschaft. Schon der Weg dorthin verändert etwas. Der davorliegende Teich, der halbkreisförmige Betontorbogen am Eingang, das Zusammenspiel aus Glas, Beton, Wasser, Erde und Licht erzeugen den Eindruck einer eigenen Welt. Man betritt keinen neutralen Ausstellungsraum, sondern einen Ort, der einen bereits vor dem ersten Kunstwerk aus dem Alltag herauslöst.

Der Aufbau der Ausstellung Adam Pendleton: Can I Be? kann als sehr gelungen gesehen werden. Man beginnt mit der Videoarbeit Toy Soldier (Notes on Robert E. Lee, Richmond, Virginia/Strobe) in einem vollständig schwarzen Raum. Die Kombination aus Bild, Collage, Schnitt, Sound und Dunkelheit lässt kaum eine andere Möglichkeit, als sich vollständig darauf einzulassen. Es ist kein beiläufiger Einstieg. Es ist eine Schwelle.

Begleitet wird man dabei von einem sehr großgewachsenen Mitarbeiter der Foundation, der darauf achtet, dass man sich richtig im Raum positioniert, dass man sich hinsetzt, dass man den Blick ausrichtet. Zunächst ist überhaupt nicht klar, dass sich rechts und links der Leinwand Wege nach draußen befinden. Sie sind im Dunkel nicht sichtbar. Erst gegen Ende der Videoinstallation wird spürbar, dass es dort einen Ausgang gibt. Diese Ungewissheit, dieses kurze Gefühl von Nicht-Herauskommen, verstärkt die Wirkung des Raumes enorm.

Das Video selbst ist stark geschnitten, faszinierend, rhythmisch, fast taktend. Es zieht einen in den Bann, ohne sich sofort erklären zu lassen. Pendleton arbeitet hier nicht mit einer eindeutigen Erzählung, sondern mit Fragmenten, Licht, Ton, Geschichte und Störung. Gerade dadurch entsteht eine körperliche Aufmerksamkeit. Man sieht nicht einfach zu. Man wird in eine Wahrnehmung hineingezogen.

Wenn man diesen Raum verlässt, entsteht fast etwas wie ein Grounding. Nach der Dunkelheit, nach der Verdichtung, nach dem taktilen Druck der Bilder und der Tonspur folgt eine Reduktion. Man kommt zurück in den Körper, zurück in den Raum, zurück zur eigenen Wahrnehmung. Genau hier wird Pendletons Begriff Black Dada erfahrbar: nicht als erklärendes Konzept, sondern als Verschiebung von Sprache, Geschichte, Abstraktion und Wahrnehmung. Die Langen Foundation beschreibt Black Dada als zentrales Denkmodell in Pendletons Werk, in dem Blackness, Abstraktion und historische Avantgarden miteinander in Beziehung gesetzt werden. In der Ausstellung bleibt dieses Konzept jedoch nicht theoretisch. Es wird räumlich, körperlich und visuell erfahrbar.

Von dort aus öffnet sich die Ausstellung. Die weiteren Werke — die Zeichnungen, die Keramikarbeiten am Boden, die großformatigen schwarz-weißen Gemälde — wirken nach diesem Auftakt anders. Man schaut langsamer. Man nimmt präziser wahr. Die Reduktion der Sprache, die Überlagerung von Zeichen, die gestischen Spuren und die schwarz-weißen Flächen entfalten sich nicht als reine Abstraktion, sondern als Denkraum.

Besonders stark ist dabei das Zusammenspiel mit der Architektur. Andos Betonbau, die großzügigen Flächen, die Rampe, die nach unten führt, die wechselnden Blickachsen, der Lichteinfall und die Reflexionen im Gebäude ermöglichen unterschiedliche Annäherungen an die Arbeiten. Man sieht die Gemälde von oben, dann wieder frontal, dann aus der Tiefe des Raumes heraus. Der Körper bewegt sich mit. Die Architektur denkt mit.

Das macht diese Ausstellung so überzeugend: Sie ist nicht nur eine Präsentation einzelner Werke, sondern ein Zusammenspiel aus Architektur, Licht, Raumführung, künstlerischer Intention und körperlicher Erfahrung. Alles greift ineinander. Der schwarze Anfangsraum verdichtet, der Betonbau öffnet, die Werke halten die Spannung zwischen Sprache und Bild, zwischen Geschichte und Abstraktion.

Am Ende ist genau das erreicht, worum es in der Kunst immer wieder geht: Wahrnehmung wird verändert, geschärft, irritiert. Man wird nicht belehrt, sondern in einen anderen Zustand des Sehens versetzt. Adam Pendleton: Can I Be? ist eine Ausstellung, die nicht laut sein muss, um nachzuwirken. Sie arbeitet mit Reduktion, mit Rhythmus, mit Ungewissheit und mit einer großen visuellen Intelligenz!

Für mich liegt die Stärke dieser Ausstellung gerade in ihrer Verbindung aus künstlerischer Präzision, architektonischer Ruhe und einer fast körperlichen Erfahrung von Sprache, Bild und Raum. Pendletons Arbeiten bleiben nicht an der Oberfläche. Sie erzeugen eine Spannung, die sich nicht sofort auflöst — und genau darin liegt ihre Kraft.


Previous
Previous

Katharina Grosse im White Cube: Farbe als Raumbehauptung-04//2026

Next
Next

ART Düsseldorf– verhaltene Stärke am Standort-04//26