Cristina BanBan-Galerie Pierrotin-11//25
Cristina BanBans großformatige Gemälde bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Ihre Figuren sind unmittelbar präsent, körperlich, raumgreifend und häufig in stark verschobenen Proportionen dargestellt. Es sind keine idealisierten Körper, keine glatten, harmonisierten Schönheiten, sondern Frauenfiguren, die über Größe, Gewicht, Haltung und Farbigkeit eine eigene Präsenz behaupten.
BanBan, 1987 in Barcelona geboren und heute in Brooklyn lebend, stellt Frauen seit Beginn ihrer künstlerischen Praxis ins Zentrum ihrer Arbeit. In einem Interview beschreibt sie, dass sich ihre Darstellung von Weiblichkeit über die Jahre verändert und nuanciert habe. Ihre Figuren entstehen zwar aus persönlichen Erinnerungen, Modellen oder gefundenen Bildvorlagen, lösen sich aber zunehmend vom klassischen Porträt. Sie stehen damit nicht mehr nur für eine einzelne Person, sondern bewegen sich zwischen persönlicher Erfahrung und einer allgemeineren Vorstellung von Weiblichkeit.
Interessant ist dabei ihr Arbeitsprozess. BanBan beginnt mit Skizzen, einfachen Linien und Bildquellen, aus denen sie zunächst die Komposition entwickelt. Dieser erste Schritt wirkt fast intim und still. Im weiteren Verlauf wird die Malerei körperlicher, freier, emotionaler. Die ursprüngliche Zeichnung bleibt als Orientierung erhalten, wird aber im Malprozess überlagert von Farbe, Bewegung und Geste. Genau diese Spannung sieht man ihren Bildern an: Sie sind konstruiert und zugleich eruptiv, geplant und zugleich offen.
Auffällig bleibt ihr Umgang mit Proportionen. Arme, Beine, Hände, Schenkel oder Augen erscheinen häufig vergrößert oder verschoben. Die Körper wirken dadurch nicht klassisch elegant, sondern schwerer, direkter, manchmal fast widerständig. BanBan interessiert sich nicht für eine fein ausgearbeitete Illusion von Kleidung, Schuhen oder dekorativen Details. Vielmehr gehen Figur, Hintergrund und Farbe ineinander über. Mit großen Flächen erzeugt sie Struktur, Volumen und eine körperliche Dichte, ohne sich in Detailgenauigkeit zu verlieren.
Mein erster Eindruck vor ihren Bildern war, dass in manchen Figuren ein Nachhall von Manga sichtbar wird — vor allem in den großen Augen. BanBan hat selbst erwähnt, dass sie lange Zeit von Mangas beeinflusst war. In ihrer Malerei wird daraus jedoch keine illustrative Niedlichkeit, sondern eine eigenständige Bildsprache. Die großen Augen wirken bei ihr eher wie Verstärker innerer Zustände: wach, empört, fragend, manchmal fast herausfordernd.
Gleichzeitig haben manche Figuren etwas Spanisches, Historisches, Szenisches. Die hochgesteckten Haare, die farbigen Gewänder, die strengen Haltungen und die üppigen Körper erinnern an Frauenfiguren, die aus einem gesellschaftlichen oder familiären Raum herausgelöst wurden. Sie wirken nicht passiv, sondern als seien sie mitten aus einer Situation genommen: aus einem Gespräch, einer Spannung, einem Moment der Behauptung.
Neben Picasso lässt sich auch Willem de Kooning als wichtiger Referenzpunkt denken, insbesondere seine frühen Frauenbilder zwischen 1938 und 1945. Dort wird der weibliche Körper bereits zu einem spannungsgeladenen malerischen Feld: frontal, verzerrt, körperlich, zwischen Figuration und Auflösung. Auch BanBan interessiert sich nicht für die harmonische Darstellung des weiblichen Körpers, sondern für seine Präsenz, seine Verschiebung und seine malerische Kraft. Ihre Figuren bleiben erkennbar, entziehen sich aber zugleich jeder klassischen Vorstellung von Schönheit oder anatomischer Ordnung.Trotzdem bleibt für mich eine gewisse Distanz. Ich mochte ihre Arbeiten beim Besuch der Ausstellung sehr gerne, und ich sehe ihre malerische Qualität deutlich: den Mut zum großen Format, den sicheren Umgang mit Farbe, die Kraft der Vereinfachung und die Fähigkeit, mit großen Flächen Körper und Präsenz entstehen zu lassen. Gleichzeitig komme ich mit diesem Stil nicht vollständig in Kontakt. Vielleicht liegt es an der bewussten Grobheit, vielleicht an der starken Verzerrung, vielleicht auch daran, dass die Figuren sich eher behaupten, als dass sie sich öffnen.
Gerade das macht die Arbeiten aber nicht weniger relevant. BanBans Malerei verlangt nicht nach unmittelbarer Identifikation. Sie zeigt Weiblichkeit nicht als gefällige Oberfläche, sondern als Präsenz, Volumen, Erinnerung, Projektion und malerische Setzung. Ihre Figuren stehen im Raum, nehmen Platz ein und entziehen sich einer eindeutigen Lesbarkeit. Man muss sie nicht lieben, um ihre malerische Konsequenz zu erkennen.