Marianna Simnett – Headless im Max Ernst Museum Brühl-03//26

Marianna Simnett, The Producer, 2025, ©

Marianna Simnett, Prayers for Roadkill (Unicorn), 2022, © Courtesy the artist und Société, Berlin, Foto: Trevor Good

Manchmal trifft eine Ausstellung genau den Punkt, an dem Schönheit kippt.
In Ekel. In Horror. In etwas Körperliches, Unbewusstes, fast Unerträgliches.

Die Einzelausstellung Headless von Marianna Simnett im Max Ernst Museum Brühl vereint neue und frühere Arbeiten der Künstlerin und zeigt, wie gegenwärtig der Surrealismus noch immer sein kann. Simnett arbeitet multidisziplinär — mit Video, künstlicher Intelligenz, Skulptur, Malerei und Musik — und erschafft dabei keine glatten Bildwelten, sondern Räume zwischen Traum, Körper, Kontrolle, Verletzlichkeit, Metamorphose und Gewalt. Die Ausstellung läuft vom 31. Januar bis 5. Juli 2026 und wird von Madeleine Frey und Sarah Louisa Henn kuratiert.

Der Titel Headless verweist auf Max Ernsts Collageroman La femme 100 têtes von 1929 — auf Deutsch etwa: Die hundertköpfige kopflose Frau. Doch Simnett übernimmt den Surrealismus nicht nostalgisch. Sie zieht ihn in eine Gegenwart, in der Körper, Geschlecht, Begehren, Gewalt, künstliche Bildwelten und psychologische Abgründe ineinanderfallen. Der Surrealismus erscheint hier nicht als poetischer Traum, sondern als Labor des Unbewussten.

Was diese Ausstellung so stark macht: Simnetts Arbeiten sind vor allem eines — verstörend. Aber sie sind nicht random, nicht chaotisch, nicht die stümperhafte Arbeit einer verwirrten Person. Im Gegenteil. Hier arbeitet jemand, der sehr genau weiß, welches Medium welche Wirkung erzeugt: wann eine Skulptur körperlich im Raum stehen muss, wann ein Video die Zumutung verstärkt, wann ein Gemälde atmosphärisch verdichtet und wann Farbe selbst zum psychologischen Signal wird.

Genau darin liegt die Kraft dieser Ausstellung: Simnett produziert Bilder, die sich nicht auflösen lassen. Sie sind sexuell, aber nicht erotisch im klassischen Sinn. Sie sind schön, aber nicht angenehm. Sie sind brutal, ohne platt brutal zu sein. Sie zeigen Transformation, aber nicht als reine Befreiung, sondern oft als Verstümmelung, Mutation oder Kontrollverlust.

Gleichzeitig bleibt alles künstlerisch kontrolliert. Der Horror ist komponiert. Die Sexualität ist codiert. Die Gewalt ist inszeniert. Das Abstoßende ist bei Simnett kein Kontrollverlust, sondern Methode. Sie erlaubt sich Bilder, die viele nicht einmal denken würden — und setzt sie dann mit einer handwerklichen und medialen Präzision um, die keinen Zweifel daran lässt, dass sie genau weiß, was sie tut.

Für mich war Headless deshalb kein klassischer Museumsbesuch, sondern eher ein Eintritt in ein Labyrinth: weiblich, grausam, intelligent, sexuell codiert, morbide und zutiefst irritierend. Eine Ausstellung, die nicht gefallen will — und gerade deshalb bleibt.

Marianna Simnett – Headless
Max Ernst Museum Brühl des LVR
31. Januar – 5. Juli 2026
Kuratiert von Madeleine Frey und Sarah Louisa Henn.

Foto Büste: Marianna Simnett, The Producer, 2025, © Courtesy the artist und Société, Berlin, Foto: Trevor Good

Previous
Previous

ART Düsseldorf– verhaltene Stärke am Standort-04//26

Next
Next

Victor Man – Le grand chagrin, la petite mort-Collection Pinault-03//26